Rheinromantik – Besichtigungstour mit Jan Kralitschka

Historisches Siebengebirge

Jan Kralitschka war 2013 als Bachelor in der RTL-Kuppelshow zu sehen. In Kapstadt durfte er vor einer spektakulären Kulisse unter 20 Kandidatinnen seine Traumfrau auswählen. Auch zuvor war er kein unbekanntes Gesicht. Für diverse Labels und Unternehmen ist er auch heute noch als Model tätig und arbeitet darüber hinaus freiberuflich als Rechtsanwalt. Zivil- und Medienrecht gehören zu seinen Tätigkeitsschwerpunkten; derzeit promoviert er an der Uni Bayreuth. Nach eigener Aussage liebt Jan Kralitschka das Siebengebirge und sein Traum, ein altes Gehöft zu besitzen, ist vor rund drei Jahren Wirklichkeit geworden. In Bad Honnef bewohnt er einen ehemaligen Bewirtschaftungshof eines Nonnenklosters aus dem Jahr 1711.

Jan Kralitschkas Begeisterung für Bad Honnef und Umgebung ist deutlich zu spüren. In idyllischer Lage lebt er auf seinem geschichtsträchtigen Hof inmitten der Natur. Wenn er nicht gerade beruflich unterwegs ist, führt er ein eher beschauliches Leben auf dem Lande. Die Arbeiten und Umbauten an seinem Haus erledigt er alle selbst, „schließlich komme ich aus einer Handwerkerfamilie.“ Nach getaner Arbeit sitzt er gerne in seinem Garten am Lagerfeuer, genießt die Ruhe und ein gutes Glas Wein. Ein „Naturbursche“, wie er sich selber bezeichnet. Doch trotz aller Verbundenheit zu Mutter Natur schätzt er die Nähe zu Bonn und Köln und den „kulturellen Ausgleich“, den solche Städte zu bieten haben.

Das Nizza vom Rhein
Foto 3
Exklusiv für das MING Magazin zeigte uns Jan Kralitschka seine Wahlheimat Bad Honnef. Von Hamburg hat es den Ex-Bachelor an den Rhein verschlagen. Die Tour beginnt. In seiner  unmittelbaren Nachbarschaft wartet bereits die erste Sehenswürdigkeit auf uns: wir fahren am Karl-Simrock Haus „Parzival“ des deutschen Dichters und Philologen vorbei. Unser erster Halt ist schließlich die wunderschöne Insel Grafenwerth. Vom gleichnamigen Biergarten „Grafenwerth“ – direkt am Rhein gelegen – haben wir einen uneingeschränkten Blick auf das Siebengebirge und den Drachenfels. Schon vor rund 200 Jahren hat der Philosoph Alexander von Humboldt den Zauber dieses Platzes und der Landschaft erkannt und gemeint: „Das ist das Nizza vom Rhein“. Direkt gegenüber liegt die Insel Nonnenwerth, früher auch Rolandseck genannt. 1148 wurde die Rheininsel bereits in einer Urkunde von Erzbischof Arnold I. von Köln erwähnt. Seit 1126 beherbergt dieses Fleckchen Erde mit Unterbrechung ein Kloster: zunächst ein Benediktinerinnenkloster, und ab 1854 kamen Franziskanerinnen auf die Insel. Auf Nonnenwert ist seit dieser Zeit ein Mädchenpensionat zu Hause, welches später in ein allgemeinbildendes Gymnasium umgewandelt wurde. Unser Blick geht sodann in eine andere Richtung. Wir schauen zur Ruine der Burg Drachenfels hinauf, knapp 321 Meter hoch gelegen. Leider ist das Wetter für eine Fahrt hinauf mit der Zahnradbahn zu diesig. Die Ruine des Wehrturms gilt als Wahrzeichen des Siebengebirges. 1138 wurde mit dem Bau der Burganlage begonnen, der etwa 1167 seinen Abschluss fand. Die Burg diente zur Sicherheit des Kölner Gebietes in südliche Richtung. Doch woher stammt der Name Drachenfels?  Im Volksmund ist die Rede von einer Sage über einen Drachen, der auf diesem Berg hauste. In diesem Zusammenhang wurde ein nicht belegter Bezug zur Nibelungensagen hergestellt. An der Südseite des Drachenfels ragt der bekannte Felsvorsprung der „Siegfriedfels“ in die Höhe. Die Felsformation lässt noch die Höhle des Foto 4Drachens erkennen, der dort der Sage nach gehaust hat und von Siegfried besiegt wurde. Der Aufstieg über den Eselswegs von Königswinter aus ist beschwerlich und mittlerweile aufgrund der Steinschlaggefahr auch gefährlich geworden. Nicht selten ist der Weg aus Sicherheitsgründen gesperrt. Von der Inselbrücke aus können wir im Vorbeigehen noch einen Blick auf den letzten Aalschokker des Mittelrheins werfen. Das Aalfangschiff „Aranka“ liegt im alten Rheinarm vor Anker und symbolisiert die jahrhundertealte Heimatgeschichte von Bad Honnef, auf dem alljährig der Aalkönig gekürt wird.

„Urlaubs-Feeling“
Die Fahrt geht weiter. Wir setzen mit der Fähre von Bad Honnef nach Rolandseck über, was zwar nur wenige Minuten dauert, jedoch ein kurzes „Urlaubs-Feeling“ aufkommen lässt. Unmittelbar am Rhein gelegenen liegt der Bahnhof Rolandseck; erbaut wurde er von 1856 bis 1858. Heute zählt das Empfangsgebäude zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern der rheinischen Kunstgeschichte und des frühen deutschen Eisenbahnbaus. Im Jahr 2007 wurde das Gebäude Teil des Arp Museum Bahnhof Foto 5Rolandseck. Neben Kunstausstellungen finden diverse Veranstaltungen und Konzerte statt. Auf der Terrasse des Bistros „Interieur No. 253“ lassen wir uns einen Cappuccino schmecken und genießen den Blick über das Rheintal. Dieser Anblick führt uns die Bedeutung der Rheinromantik klar vor Augen. In der Literatur werden die in den 1770er und 80er Jahren geschriebenen Reiseberichte von Johann Wolfgang von Goethe, Friedrich Hölderlin und Heinrich von Kleist als Vorläufer der Rheinromantik angesehen. 1801 veröffentliche Clemens Brentano das Gedicht „Zu Bacharach am Rhein“ und schuf damit den berühmten Rheinmythos, die Geschichte der Lore Ley.

„Auge Gottes“
Zum Schluss besuchen wir noch das Konrad Adenauer Haus in Rhöndorf. Adenauer war von 1949 bis 1963 erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Die heutige Stiftung „Bundeskanzler-Adenauer-Haus“ ist die älteste der fünf Politikergedenkstätten in Deutschland. Auf der Rückfahrt kommen wir an der Kapelle Sankt Martin vorbei, die ungewöhnlich mitten auf einer Verkehrsinsel gelegen ist und zum Wahrzeichen vom dem Bad Honnefer Stadtteil Selhof geworden ist. An dieser Stelle noch ein Tipp für Wanderfreunde: In Unkel, dem letzten Wohnort des früheren Bundeskanzlers Willy Brandt, beginnt der Rundwanderweg zum „Auge Gottes“, einer kleinen Waldkapelle. Benannt wurde sie nach dem „allsehenden Auge, ein Symbol für die Wachsamkeit Gottes über das Heil der Menschen.“ Wir bedanken uns herzlich für diese schöne Besichtigungstour, und Jan Kralitschka fügt ergänzend und nicht ohne ein Schmunzeln hinzu: „Das historische Siebengebirge ist ein gesichertes Abenteuer für Großstädter.“ Und auf jeden Fall einen Besuch wert.

 

MING Ausgabe 3/2014

© Stefanie Siegel

weiterlesen