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Antonov AN 2: Betagt und kein bisschen leise
Historisches Fluggefühl neu erleben
Die Antonov AN 2, der größte einmotorige Doppeldecker der Welt, wird von einem 1000 PS starken Sternmotor angetrieben, bietet neun Passagieren Platz und wird gerne auch „Red Eagle“, „Roter Baron“ oder liebevoll „Anna“ genannt. Die Ärztin und begeisterte Pilotin Dr. Ilse Janicke startet ihre Rundflüge vom Flughafen Dortmund und Essen/Mülheim aus und beschert ihren Fluggästen ein unvergleichlich historisches Fluggefühl in 300 bis 600 Metern Höhe. Dabei stehen verschiedene Routen über das Ruhrgebiet und den Niederrhein zur Auswahl.
Der „rote Baron“ der Lüfte wurde nach den Vorgaben von Oleg Konstaninovitch Antonov (1906-1984) entworfen und geht auf die Forderungen des Ministeriums für Land- und Forstwirtschaft zurück. Das Flugzeug sollte robust sein und über eine kurze Start- und Landestrecke verfügen – die Startstrecke beträgt gerade mal 150 Meter. Aus diesen Gründen wurde von den Konstrukteuren diese eher ungewöhnliche Form gewählt. Am 31. August 1947 schwebte die in Russland gefertigte Antonov zum ersten Mal durch die Lüfte. Dieser Flugzeugtyp – im ehemaligen Ostblock in Großserie gefertigt und als Nutzflugzeug für die verschiedensten militärischen und zivilen Aufgaben wie zum Beispiel dem Passagier- und Frachttransport oder als Agrarflugzeug eingesetzt - ist längst zu einer Rarität im deutschen Luftraum geworden und dient heute in der Regel nur noch für nostalgische Rundflüge.
Pilotin aus Leidenschaft
Dr. Ilse Janicke ist die einzige Ärztin in Deutschland, die eine Fluglizenz für die Antonov vorzuweisen hat. Seit 1975 ist sie als aktive und leidenschaftliche Pilotin unterwegs, besitzt alle erforderlichen Lizenzen und bringt mehrere 1000 Stunden Flugerfahrung mit. Neben ihrer Tätigkeit als Oberärztin in der Kardiologie am Herzzentrum Duisburg praktiziert sie als Flugmedizinerin. Was die Passagiere nicht mitbekommen, dass sind die umfangreichen und schweißtreibenden Vorbereitungen vor dem Start. Ilse Janicke bewältigt diese mit einer Leichtigkeit, die in Staunen versetzt. In sechs Meter Höhe prüft sie den Ölstand und versorgt die betagte „Anna“ mit ausreichend Öl. Anschließend läuft sie leichtfüßig über die Tragflächen der Maschine, um die beidseitigen Tanks zu füllen.
Kerniger Klang und schweißtreibende Vorbereitungen
Doch danach kommt der wirklich anstrengende Part. Die Propellerblätter des 1000 PS starken Sternmotors müssen 30 Mal manuell gedreht werden, damit sich das Öl auf die neun Zylinder verteilen kann – die dazugehörenden Ölflecke auf ihrer Kleidung tut sie lächelnd und mit einem Schulterzucken ab. Häufig bekam sie zu hören, dass diese Aufgabe für eine Frau zu schwer wäre, erzählt Ilse Janicke. Das spornte sie noch mehr an und mittlerweile ist sie seit fünf Jahren routinierte Anna-Pilotin, was für Frauen eher untypisch ist. Abschließend muss noch der Motor rund drei Minuten warmlaufen. Die Maschine verfügt über einen speziellen Auspuff an der rechten Seite und dieser trägt auch zum kernigen Klang bei und dient gleichzeitig als Lärmschutz. Dann kann es endlich losgehen und in Begleitung des nostalgischen Klangs des Motors rollt die Maschine zum Gate, um die ersten Gäste an Bord willkommen zu heißen. „Das Fliegen der Antonov ist komplexer als mit anderen Maschinen, da zum Beispiel während eines jeden Fluges auf die Temperatur des Öls geachtet werden muss. Darüber hinaus ist ein Co-Pilot oder auch eine Begleitperson unerlässlich, da die rechte Seite der Maschine für mich als Pilotin aus dem Cockpit nicht gut einsehbar ist.“, so Dr. Ilse Janicke.
Weitere Informationen unter Telefon 0208. 370 191
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© Stephanie Ebert / Ilse Janicke